Drachenthron

Kein Anfang ohne Ende...

Personenverzeichnis:

Arian Karindûr, ein reicher Satrap auf der Suche nach Ärger
Lysander, ein charmantes unterhaltsames Mitglied der Sirgani
Erassmus, ein in Eis gehüllter Priester des Ellisars im Exil

Aus Lysander’s Traumtagebuch

Jahre waren vergangen dass Arian, Spross der Satrapenfamilie der Karindûr das letzte mal einen Blick beziehungsweise einen Fuß nach Shâlazar, der Stadt im Stein und gleichzeitig Hauptstadt des Imperiums gesetzt hatte.

Doch nun war die Zeit der Forschung in den Ruinen von Nash’ras vorbei und es wieder Zeit in die Heimat zurückzukehren. Gedankenverloren ließ er seinen Blick über das Eingangtor von Shâlazar schweifen während seine Karawane bereits hindurch reiste. Neben ihn war Erasmus, ein Reisegefährte und Priester des Elissar stehen geblieben und betrachtete ebenfalls das Treiben. Für ihn würde es der erste Aufenthalt in einer so großen Stadt sein.

Nachdem sie am Anwesen der Karindûr’s angekommen, erwartete sie der eher frostige Empfang durch Arian’s Tante, überraschenderweise aber auch eine Einladung für ihn. Er sollte sich am nächsten Tag bei Kaiser Caspian den XXIV. zu einer Audienz einfinden.

Auf seinem Weg nach Nash’ra verbrachte Arian ein paar Wochen bei den Sirgani, dem träumenden Volk und lernte dort Lysander kennen und schätzen. Dieser hatte nun den Wagenzug verlassen und war in die große Stadt gezogen und hatte hier eine kleine Taverne mit dem Namen Erwachen eröffnet. Diese wollte er nach der langen Reise und dem kruden Empfang nun besuchen, auch um sich abzulenken und Zeit zum Nachdenken zu bekommen.

Währenddessen wurde Lysander bereits von einer guten Bekannten besucht die ihm ein Geschäft anbot. Nachdem er sie ins Hinterzimmer geführt und für das leibliche Wohl gesorgt hatte, berichtete sie ihm, dass Arian wieder in der Stadt sei und morgen eine Audienz beim Kaiser hätte. Lysander sollte sich anschließen und dort auf weitere Anweisungen warten. Außerdem sollte er sich vor der Kaiserin hüten, da diese gefährlich sei. Nach kurzen Verhandlung wurde das Geschäft noch wie üblich unter den beiden besiegelt.

Etwas später kamen auch schon Arian und Erasmus beim Erwachen an und begegneten dort Roxana also diese gerade die Taverne verließ. Erasmus war von ihrem Erscheinungsbild (lange rote Haare, ein grünes Seidenkleid, dass ihre Weiblichkeit mehr hervorhob als verdeckte) so angetan dass er ihr länger nachblickte und dadurch die Aufmerksamkeit einer anderen Dame erregte. Während Arian in die Taverne ging um Lysander zu treffen, wurde Erasmus in die Seitengasse gelotst und die Preisverhandlungen begangen. Da er aber menschliche Gesellschaft vor allem weibliche nicht mehr gewohnt war und auch keine Ahnung zu den gängigen Preisen hatte, bot er wohl zu viel, denn als er noch einmal in seinen Rucksack sehen wollte, wurde er niedergeschlagen.

Lysander war erfreut Arian wieder zu sehen und wollte alles von ihm Wissen. Um ihn den Aufenthalt angenehm zu mach lud er ihn auch ins Hinterzimmer ein und Wein, Essen und Wasserpfeife. In dieser hatte er ein neues Mittel genannt „blue cristall“ gegeben dass ihm wohl nicht so gut bekam. Arian genoss die Zeit, aber Lysander war innerhalb kurzer Zeit ausgeschaltet. Vorher verplapperte er sich aber noch und fragte direkt ob er mit zur Kaiseraudienz mitkommen könne. Dies wurde aber von Arian momentan noch ignoriert und er sagt Lysienne, dass ihr Wirt über die Strenge geschlagen hatte. Sie beruhigte ihn und versprach sich um Lysander zu kümmern. In der Zwischenzeit war auch Erasmus in die Taverne gekommen, hatte aber außer seinen Kleidern am Körper nicht mehr viel. Trotzdem blieben die beiden noch und genossen die Darbietungen auf der Bühne und die Getränke bis geschlossen wurde, dann machten sie sich auf den Heimweg.

In den menschenleeren Gassen fiel den beiden eine dunkle Gestalt auf dem Dach einige Häuser hinter sich auf. Genauso schnell wie sie erschien, verschwand sie auch, dann ertönte um die Ecke Kampflärm. Als die beiden ankamen, lagen dort nur zwei Tote.

Eine kurz Untersuchung ließ den Rückschluss, dass es sich hierbei um kaierliche Legionäre gehandelt haben musste, außerdem fanden sie tatsächlich einen geschrieben Befehl der besagte Arian Karindûr und alle Begleiter zu töten unterzeichnet von General Karindûr. Obwohl schon fast zu Hause beschlossen die beiden wieder ins Erwachen zurückzukehren.

Obwohl schon geschlossen war, wurden sie wieder herein gelassen und einen Eimer Wasser und wohlwollenden Worten war Lysander zumindest soweit wieder bei Bewusstsein, dass sie die Situation besprechen konnten. Nach kurzem guten Zureden gab Lysander zu, dass Roxana ihm aufgetragen hatte mit zu Audienz zu gehen. Nach ein wenig hin und her wurde beschlossen dies auch so durchzuführen. Das Angebot bei ihm über Nacht zu bleiben, lehnten Arian und Erasmus ab und begaben sich nun schon zum zweiten Mal auf den Heimweg. Morgen früh wollten sich dort alle treffen und für die Audienz vorbereiten.

Arian verabschiedete sich von Erasmus und ging zu Bett. Als er das Zimmer betrat beschlich ihn ein komisches Gefühl und im nächsten Moment wurde auch schon das Bettlacken lebendig und eine Skorpionschlange kroch daraus hervor. Arian verteidigte sich tapfer, aber das Kampfglück war ihm nicht hold, so schrie er laut um Hilfe und konnte gerade noch das Zimmer verlassen. Den Schrei hatte Erasmus gehört und kam ihm zu Hilfe. Nach kurzer Beschreibung identifizierte er das Wesen eben als besagte Skorpionschlange. In der Zwischenzeit waren schon zwei Diener eingetroffen und Airan befahl ihnen das Zimmer zu reinigen. Bevor sie offen widersprechen konnten kroch die Schlange aber, flach wie ein Blatt Papier unter der Tür hindurch und blähte sich gleich danach mit einem lauten Plopp wieder auf. Zusammen konnten Arian und Erasmus aber die Schlange nun besiegen. Den Diener wurde aufgetragen die Schweinerei aufzuräumen und Arian beschloss mit Erasmus Erlaubnis die Nacht in seinem Zimmer zu verbringen.

Nach einer viel zu kurzen Nacht stand Erasmus auf und wollte schon einmal die Dieneruniformen für die Audienz holen, wurde dabei aber von Arian’s Tante erwischt. Sie stellte ihn zur Rede und ließ ihn dann kurzer Hand aus dem Anwesen führen mit der Order nie wieder zurückzukehren. In der Zwischenzeit war auch Lysander in seiner feinsten Tunika in knallbunten Farben am Anwesen angekommen und klopfte an, während gerade Erasmus dazu kam. Der Diener konnte überzeugt werden ihn einzulassen und nachdem alles geklärt war und auch Erasmus wieder im Haus war wurden die restlichen Vorbereitungen für die Audienz gemacht. Auf den Weg zum Turm von Gendschin machten sie noch einen Abstecher an der Kawanserei und nahmen Airan’s Karwanenmeister mit.

Arian zeigte seine Einladung und sie wurden eingelassen. Während sie durch den Turm geführt wurden merkten sie eine leicht beklemmende Stimmung. Zu ihrer Überraschung wurden sie nicht zum Thronsaal, sondern zu den Privatgemächern des Kaisers geführt. Dort erwartete sie schon Morana Sûng. Während die anderen vor dem Zimmer warten mussten, betrat Arian die Gemächer des Kaisers. Morana erklärte ihm dass der Kaiser im Sterben lag, das aber nicht allgemein bekannt sei. Dieser wollte Arian aber unbedingt noch sehen um ihn eine Aufgabe zu übergeben. Langsam näherten sie sich dem Kaiser.

Vor der Tür warteten die anderen als sich plötzlich die Kaiser Apollonia mit zwei Scharlachgardisten näherte und vor Lysander stehen blieb. Mit lieblicher Stimme fragte sie ihn, ob er sie denn nicht begleiten möge und mal ganz ehrlich. Sollte man sich offen gegen die Wünsche der Kaiserin stellen, im Palast, während sie von zwei Scharlachgardisten begeleitete wurde? Mit einem hilfesuchenden Blick zu Erasmus folgte er der Kaiserin.

Morana ging vorsichtig zum Kaiser und kündigte Arian an. Dieser wurde dann ans Bett herangewunken und ihm zu seinen herausragenden Leistungen in den der Ruinenstadt Nash’ras beglückwünscht. Auch bekam er den inoffiziellen Titel „Held von Nash’ras“ verliehen. Dann griff er nach Airan’s Hand, zog etwas unter der Decke hervor und drückte dem überrumpelten einen eigroßen Rubin hinein. Er sei von nun an dafür verantwortlich.

Die Kaiserin führte Lysander in ihre Gemächer während die Wachen vor der Tür blieben und goss eine Flüssigkeit in eine goldene Schale. Diese bot sie Lysander an um daraus zu trinken. Er zögerte und trat dann vorsichtig näher. Als er die Schale nehmen wollte und sich ihre Hände berührten, war es als würde er kurz die Augen schließen und dann wieder öffnen. Als dies geschah sah er sich selbst gegenüber stehen. Verwundert beobachtete er wie der andere Lysander die Schale nahm und abstellte. Dann winkte er ihm zu und verließ Gemach. Erst jetzt blickte er an sich hinab und sah, dass er ein ein rotes Brokatkleid gekleidet war. Doch das war nicht alles. Er hatte Brüste und erst jetzt stieg Panik ihn ihm auf. Schnell ging er zu Tür und öffnete. Kurz zögerte er als die Wachen sich zu ihm umdrehten, doch als diese ihn nicht aufhielten eilte er sogut es in dem Kleid ging der Treppe entgegen.

Der Kaiser lächelte und lehnte sich zurück während Morana an die Wand ging und eine Tür öffnete. Durch diese trat der Sohn des Kaisers und sein Gefährte Falk al’Rajin. Wieder erhob der Kaiser die Stimme. Er habe alle hier versammelt um als Zeugen zu fungieren. Er rief seinen sein Caspian zu seinem offiziellen Nachfolger aus und bat es die Anwesenden zu bestätigen. Dann lehnte er sich zurück und verstarb. Morana erhob die Stimme und sprach „Der Kaiser ist tot. Lang lebe der Kaiser Caspian XXV.“ Nach einer kurzen Trauerminute verließen sie das Zimmer das Kaiser um die Neuigkeiten zu verkündigen und öffneten in dem Moment die Tür als die Kaiserin-Witwe Erasmus fragte „Wo bin ich hingegangen?“ Die entstehende Verwirrung nutzen zwei Diuskuren die Leibwächter der Kaiserin zu töten. Während Erasamus noch entsetzt zu sah wie die Körper in sich zusammensackten verkündigte Morana schon. „Ahh gut dass ihr hier seid Kaiserin-Witwe. Es ist Zeit für die Abreise nach Hag Dôsh‘ka.“

Lysander sah Morana nur verwirrt an und meinte er müsse noch kurz was erledigen. Dann nahm er den Dolch den er an seinen Schenkel entdeckt hatte und schnitt erst einmal das Kleid seitlich an den Beinen auf um schneller zu sein. Und schon war er auf den Weg die Treppe weiter hinab. Auf den Weg fragte er immer wieder ob ein Mann mit Lysanders Beschreibung gesehen wurde und zwar meisten etwas verwirrt wurde ihm der Weg gewiesen. Als er auf den Hof trat wurde hier schon die Karawane bereit zum Aufbruch gemacht. Lysander sah sich auf der Mauer stehen und eilte hin, da drehte sich der andere Lysander um, winkte ihn noch einmal entschuldigend zu und ließ sich über die Mauer fallen. Mit einem Schrei rannte er so schnell wie möglich auf die Mauer und blickte hinab, konnte aber keinen schwimmenden Körper entdecken. Er war kurz davor selbst hinunter zu springen, wurde aber bereits von Gesinde, Wachen und Morana umringt und dezent in auf die für die Kaiserin wartende Sänfte auf den Rücken eines Tavirachs gebracht, wo auch schon die Hofdamen der Kaiserin auf sie warteten. Kurze Zeit später brauch die Karawane auf. Arian und Erasmus schauten ihr verwirrt hinterher.

Kurz entschlossen wollen sie der Karawane folgen und treffen ihrerseits so schnell wie möglich Vorbereitungen. Trotz allem hat die Karawane aber schon einen gehörigen Vorsprung also sie mit ihren Laufvögeln zu dritt hinterher eilen.

Lysander immer noch komplett verwirrt und langsam dämmernd, dass etwas ganz und gar nicht stimmte versuchte sich an seinen neuen Körper zu gewöhnen. Von den Weggefährtinnen der Kaiserin ließ er sich eine Laute bringen um wieder Ordnung in seine Gedanken zu bringen. Gegen Abend stoppte die Karawane und ein Lager wurde aufgebaut. Während sich die anderen Satrapen-Witwen bei ihnen versammelte wollte Lysander ein flammende Rede halten und alle inspirieren sich gegen das Schicksal als Vettel aufzulehnen. Im Großen und Ganzen erntete er aber nur Unverständnis und alle schoben es auf den Schmerz dass der Kaiser tot sei. Frustriert schickte er alle hinaus. Nur Nemina die Hofdame in grün blieb und gab ihm erst einmal eine Ohrfeige. Sie, die Kaiserin solle sich zusammenreissen, sonst wäre der ganze Plan gefährdet. Sie hätte doch das wichtigste dabei und deutete dabei auf Lysanders Bauch. Nun wurden ihm die Knie weich. Nicht dass er eine Frau war, auch noch die Kaiserin-Witwe und Vettel werden sollte. Nein er war wohl auch noch schwanger…

Arian, Erasmus und Arian’s Karawanenführer hatten die Karawane verfolgt, als der Letzte plötzlich mit deinem lauten Schrei von seinem Laufvogel fiel. Als sie gerade anhalten wollten und nachzusehen was passiert war, wurden sie weiter beschossen und versuchten zu fliehen. Der Hinterhalt der Banditen war gut gewählt und stehen zu bleiben wäre Selbstmord gewesen. Erasmus hatte bald einen Vorsprung und war außer Schußweite, während auf Arian noch ein Bolzengewitter niederging und er schwer verletzt entkommen konnte. Nachdem ersichtlich wurde, dass sie die Karawane heute nicht mehr einholen würden, beschlossen sie zu rasten. Dabei dankte Erasmus seinem Gott Elissar mit einem Gebetstanz und wurde mit einer Mondperle belohnt. Später zeigte Arian den Rubin und beide überlegten was dies wohl wäre, vor allem da es auch warum zu sein schien. Mitten in der Nacht wurden sie geweckt als ein riesiger reptilienförmiger Schatten am Mond vorbei flog.

Lysander hatte den restlichen Abend gegrübelt wie es nun weitergehen sollte. Er musste seinen Körper zurückbekommen und das ging nicht, wenn er in der Karawane war. Deshalb schlenderte er Nachts noch durch das Lager und besah sich alles, vor allem die Wachen. Zu einer mit dem Namen Basili war er sehr freundlich und fragte wann denn seine Wachschichten wären. Dann verabschiedete er sich mit einem vielsagenden Blick.

Am nächsten Tag verrichtete er auch nicht die Pflichten die normalerweise die Kaiserin-Witwe machen sollte, sondern plante seine Flucht. Er ließ sich Unmengen an Früchten bringen und Nemina warnte ihn wieder, er solle nicht alles gefährden.

Nach einem weiteren Reisetag erreichten Arian und Erasmus gegen Abend endlich die Karawane und wurden nachdem sie sich zu erkennen gegeben und ihre Absicht sie zu begleiten kundgetan hatten freundlich aufgenommen. Sie beschliessen sich zuerst einmal zum zu hören. Viele schreiben das Verhalten der Kaiserin-Witwe ihrem Schmerz wegen des Todes des Kaisers zu, aber eine Dienerin verrät, dass sie beobachten konnte wie die Witwe erst im stehen Wasser lassen wollte. Sie schien sehr verwirrt zu sein. Eine andere konnte berichten, dass Nemina wohl schon mit Apollonia an den Hof gekommen sei und diese wohl am besten kenne. Da General …. Karindûr der Leiter der Karawane war, beschloss Arian auch ihm einen Besuch abzustatten. Der Empfang war eher unterkühlt, was in diesem Fall aber nicht an Erasmus lag. Danach beschlossen sie erst einmal zu rasten und die Nacht zu schlafen.

In der Zwischenzeit hatte Lysander die Wache Basili in sein Zelt gerufen und ihm befohlen sich ausziehen. Gezielt leitete er ihn zum Bett und ließ ihn sich hinlegen. Dann stieg er auf ihn und fesselte zuerst dessen rechte, dann seine linke Hand an die Bettpfosten. Im nächsten Moment schlug er ihn bewusstlos. Schnell verließ er das Bett, legte Basilis Rock an, genau wie seine Sandalen und die Tunika, dann nahm er noch eines der Felle aus dem Bett und schnitt ein Loch hinein um es sich über zuwerfen und mit deinen Gürtel fest zubinden. Dann schnappte er sich noch ein paar Früchte mit um wenigstens ein wenig Nahrung auf den Rückweg zu haben. Vorsichtig schlich er sich zuerst aus dem Zelt und dann aus dem Lager ohne bemerkt zu werden.

Um schnell Entfernung zurück zu legen beschloss er am Anfang der Straße zurück zu folgen. Nach einer Stunde wo er kurz verschnaufen musste trat ein Gestalt auf die Straße. Kurz erschrocken aber dann mit fester Stimme fragte er wer da ist und drei weiter Gestalten erschienen, zwei Männer und zwei Frauen. Sie seinen Jäger von den Barbaren von Esrex und folgten der Mammutherde, die heute schon die Karawane aufgehalten hatte. Die Frage was Lysander hier machte, konnte er wohl für die Barbaren nicht zufriedenstellend beantworten und sie meinten, dass er wohl einen guten Preis bringen würde. Spätestens hier war klar, dass man hier mit guten Worten nicht mehr weiterkommen würde und schon bekam er einen Schlag von hinten. Er nutze den Schwung um auf den Wortführer zu zu wanken und ihm einen gezielten Tritt zu verpassen, der diesen in die Knie sinken ließ. Er wehrte sich tapfer aber irgendwann verließen ihn seine Kräfte und er wurde überwältigt. Wie ein Stück wild angebunden an einen Speer wurde er verschleppt.

Einige Zeit später erreichten sie das Lager eines Händler der tanzenden Teufel. Nach kurzem Gespräch mit der Wache wurden sie hineingelassen und der Teufel begutachtete sorgfältig die „Ware“. Waren die Hände im Mund und an den Brüsten schon unangenehm, doch als er Lysander zwischen die Beine griff und probierte, fehlten Lysander das erste mal in seinm Leben die Worte. Es wurde auch nicht viel besser als der Teufel meinte, dass die Kaiserin-witwe wohl noch Jungfrau sei. Wie konnte er dann schwanger sein oder hatte Nemina etwas anderes gemeint? Die Barbaren wurden bezahlt und Lysander Handschellen und ein Halsband angelegt. Erst dann wurde ihm der Knebel aus dem Mund genommen. Die Schimpftirade dass er die Kaiserin-Witwe sei und von den Barbaren aus der Karawane entführt worden sei, hatte nur die Wirkung dass der Teufel auf ihn deutete und Lysander sich dann vor Schmerzen zusammen krümmte. „Du wirst einen guten Preis erzielen“ meinte der Teufel.

Der Bericht von Erassmus

Am Ende seiner erfolgreichen Expedition in die Ruinen Nash’ras erreicht Arian mit seiner Karawane Shâlazar, auf seinem Rückweg traf er Erassmus in der Wildnis, der sich ihm anschloss.

Während es für Arian eine Rückkehr in eine ihm bekannte Welt ist, wird Erassmus nach seinem in jungen Jahren angetretenem Exil von den neuen Eindrücken zuerst überwältigt. Ein Bote überreicht Arian eine Einladung Caspians dem XXIV für den nächsten Tag in den Turm von Gendschin um einen Bericht über seine Reise abzuliefern. Zunächst macht er sich aber auf den Weg zum Anwesen der Karindûr in der Stadt. Er lädt Erassmus ein sein Gast zu sein, auch wenn seine Tante nicht begeistert ist den verwilderten aufzunehmen. Zur Abendunterhaltung begeben die beiden sich in die Stadt zu der Taverne erwachen, Lysanders eines Bekannten Arians.

In der Taverne Erwachen bekommt ihr Eigentümer Lysander Besuch von seiner guten Freundin Roxana. In seinem Hinterzimmer eröffnet sie ihm, dass er bald jemanden mit einer Einladung an den Kaiserhof treffen würde, den er begleiten soll um am Kaiserhof weitere Anweisungen zu erhalten. Nach dem Abschluss des geschäftlichen Teils wenden sie sich einer vergnüglicheren Beschäftigung zu.

Als Arian und Erassmus das Erwachen betreten kommt ihnen von innen Roxana entgegen, nachdem Erassmus während der Jahre seines Exils keine Frauen zu Gesicht benommen hat, starrt er die freizügig gekleidete Roxana an. Dies erweckt die Aufmerksamkeit einer anderen Frau, welche ihn zu sich winkt und ihm Gesellschaft anbietet. Arian betritt schon die Taverne, wo er von Lysander freundlich begrüßt wird. Die beiden begeben sich ins Hinterzimmer um ein neues Rauschmittel, einige blaue Kristalle aus dem Dschungel, zu testen. Trotz seiner Erfahrung mit solchen Mitteln sind diese für Lysander zu stark und versetzen ihn in Schlaf.

In einer Gasse hinter der Taverne wacht derweil Erasmus auf, bis auf seine Kleidung und Waffen fehlt seine Habe und das letzte an das er sich erinnern kann ist wie er einige Züge aus einer Pfeife nahm die ihm die Frau anbot. Noch immer etwas benommen betritt auch er die Taverne.

Als das Erwachen schließt ist Lysander noch immer am schlafen und Arian und Erassmus machen sich auf den Rückweg. Während sie durch die nun leeren Straßen gehen bemerken sie einen Schatten auf den Dächern der ihnen folgt. Noch bevor sie deswegen etwas unternehmen verschwindet der Schatten und hinter einer Hausecke hinter ihnen erklingen Kampfgeräusche. Sie finden die Leichen zweier Soldaten außer Dienst mit durchgeschnittenen Kehlen. Bei sich tragen sie einen Befehl Arian und seinen Begleiter zu töten, unterzeichnet von General Stavos ta Karindûr einem Verwandten Arians. Arian erinnert sich ein seltsames Geschehen in der Taverne, nachdem er Lysander von seinem anstehenden Besuch beim Kaiser berichtete fragte dieser ihm im Rausch ob er mitkommen dürfte, er maß dem keine Bedeutung bei im Lichte dieser neuen Geschehnisse hält er es aber für nötig noch einmal mit Lysander zu sprechen. In der Taverne wecken sie Lysander auf der ihnen von seinem Auftrag erzählt und ihnen anbietet die Nacht bei ihm zu verbringen. Arian beschließt die Nacht im Anwesen seiner Familie zu verbringen und Lysander und Erassmus, ausgestattet mit Togen in den Farben seiner Familie, als seine Diener mitzunehmen. Arian muss feststellen, dass Lysanders Angebot vernünftig war, findet er in seinem Bett doch eine Skorpion-Spinnen, er kann sich dieser entledigen, entschließt sich aber die Nacht bei Erassmus in den Quartieren der Dienerschaft zu verbringen. Am nächsten Morgen trifft Erassmus die Tante Arians als er sich eine der Togen des Hauses besorgen möchte, er wird von dieser aus dem Haus geworfen. Nachdem Lysander am Anwesen ankommt begeben die Drei sich zum mit Arians Leutnant seiner Karawane zum Turm von Gendschin. Arian wird in das Gemach von Caspian XXIV. Gebracht während die anderen vor der Tür warten. Vor dem Raum erscheint eine gut aussehende, junge Frau in Begleitung zweier Scharlachroter Gardisten. Es ist die Kaiserin Apollonia, sie bittet Lysander sie zu begleiten. Sie führt ihn in einen Raum und bietet ihm einen Kelch an. Ein seltsames Gefühl überkommt ihn als er ihn ergreift und er steht sich selbst gegenüber. Während er noch verarbeitet, dass er ihm Körper der Kaiserin steckt verlässt diese schon den Raum und verschwindet in den Tiefen des Turms. Im Gemach des Kaisers findet Arian diesen dem Tode nah vor. Der Kaiser vertraut ihm einen großen Ei förmigen Edelstein an und weißt ihn an darauf aufzupassen und ihn im richtigen Moment zu benutzen. Sein Sohn betritt zusammen mit seinem allgegenwärtigen Begleiter Falk al’Rajin das Zimmer. Mit Arian, Falk und der ebenfalls anwesenden Morana als Zeugen ernennt er seinen Sohn zum Erben des Throns, von dieser letzten Anstrengung erschöpft verstirbt er. Unterstützt von Falk regiert jetzt Caspian der XXV. Lysander in Gestalt Apollonias kommt zur Tür des Kaisergemachs, er kann noch Arian von seiner Verwandlung in Kenntnis setzten, dann werden die beiden Gardisten von Dioskuren, den neuen Wächtern des Kaisers getötet. Die kaiserliche Witwe hat sich nach Hag Dôsh‘ka zu begeben und eine Vettel zu werden, wie es sich geziemt. Eine Karawane mit weiteren Satrapen-Witwen steht schon bereit. Im Hof des Turmes sieht er noch wie seine Gestalt von der Mauer in den See. Dergestalt der Möglichkeit beraubt seinen Körper schnell zurückzubekommen schließt Lysander sich gezwungener Maßen der Karawane an, begleitet von Apollonias Hofdamen. Die anderen begeben sich zum Karawanenhof der Stadt um sich Reitvögel zu besorgen und verfolgen die Karawane. Ein Hinterhalt von Banditen in einem Hohlweg kostet Arians Leutnant das Leben. Sie schaffen es nicht die Karawane einzuholen und verbringen die Nacht neben der Straße. Arian zeigt Erassmus den Edelstein und fragt ihn ob er etwas über ihn wüsste. Erassmus bittet Eilisar um Rat und wird von diesem mit einem Mondstein gesegnet, Informationen zum Stein erhält er jedoch nicht. Arian trägt Erassmus auf im Falle seines Ablebens den Edelstein und die Aufgabe zu übernehmen. In dieser Nacht verdeckt ein großer Geflügelter Schatten den Mond. Am nächsten Nachmittag erreichen sie die Karawane, sie wird geführt von Stavos ta Karindûr Sie hören sich um wie es um die Kaiserin-Witwe steht.

Lysander war die letzten Tage nicht müßig, er versuchte, erfolglos, die anderen Witwen zu einem Aufstand gegen die Tradition zu bewegen. Die älteste der Hofdamen, Nemira, scheint zudem mit Apollonia in etwas verwickelt zu sein. Sie erzählt ihm etwas von einem gemeinsamen Plan und fragt ihn ob er die Frucht bei sich trüge. Lysander schließt daraus das Apollonia, jetzt also er schwanger sei. Er beschließt Vorbereitungen für seine Flucht zu treffen. In der Nacht begibt er sich zu einer der Wachen am Rande des Lagers und Flirtet mit ihm. In der ersten Nacht, die auch Arian und Erassmus bei der Karawane verbringen beschließt er, nicht wissend um die Anwesenheit der Anderen, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Er ruft den Wächter zu sich den er in der Nacht zuvor schon kennenlernte. Er bringt diesen dazu sich auszuziehen und sich von ihm ans Bett fesseln zu lassen. Mit seinem eigenen Helm wird der Wächter bewusstlos geschlagen, in seiner Kleidung flieht Lysander aus dem Lager und geht in Richtung Shâlazar. Eine Gruppe von 4 Barbaren lauert ihm auf, nach einigem Geplänkel kommt es zum Kampf, auch wenn er es ihnen schwer macht, schaffen sie es den unbewaffneten Lysander zu besiegen. Gefesselt und geknebelt bringen sie ihn zum Lager eines tanzenden Teufels, an den sie ihn verkaufen. Der Teufel legt ihm ein Halsband an mit dem er sein Verhalten kontrollieren kann bis er ihn nach Hadschra Nar gebracht hat. Zu Lysanders Überraschung stellt der tanzende Teufel fest, das Apollonia noch Jungfrau ist.

Am nächsten Morgen in der Karawane wachen Arian und Erassmus davon auf, dass Alarm wegen der Flucht der Kaiserin-Witwe geschlagen wird.

Die Abenteuer des Arian Karindûr

Nach meiner langen und abenteuerlichen Reise nach Nash´ras, bei der ich erstaunliches erlebt habe und einiges wohl einzigartige Dinge gefunden habe, aber davon will ich hier nicht erzählen. Denn kaum war ich zurück in die Hauptstadt Shâlazar zurückgekehrt, wurde ich in ein noch größeres Abenteuer verwickelt. Ich war also auf dem Weg durch das große Tor in die Kaverne von Shâlazar Neben mir ritt Erasmus, ein verbannter Priester des Elissar, der mir in der Wildnis eine große Hilfe war und ich hatte versprochen, ihm nun im Gegenzug die Hauptstadt ein wenig zu zeigen. Außerdem war er ziemlich zäh und ich hatte vor, ihm irgendwann zu beweisen, dass ich genauso zäh bin, Satrapensohn hin oder her. Hinter uns mein Diener und der Rest der Karawane auf unseren Donnervögeln. Bevor wir jedoch auch nur kaum angekommen waren, lief uns bereits ein Bote in kaiserlichen Farben entgegen und überreichte mir eine Einladung zu einer Audienz beim Kaiser am nächsten Tag. Verblüfft steckte ich sie erstmal ein. Ich war zwar als Karindûr durchaus Mitglied einer mächtigen Familie, aber ich hatte mich nie besonders um die Hofintrigen gekümmert, das überließ ich lieber dem Hauptstadt-Zweig unserer Familie, repräsentiert durch Tante Hedia. Warum ich plötzlich darin verwickelt wurde war mir ein Rätsel, ich war ja gerade erst angekommen. Ich hatte zwar auf dem Weg mit einigen Händlern und Sirgani geredet, die wohl schneller in die Hauptstadt gekommen waren als ich, aber jemand musste sich wohl gezielt nach mir erkundigt haben um einen Boten so direkt zu schicken. Mit einem Stirnrunzeln ritt ich zur Karawanserei, wo die Leute ausbezahlt wurden und die Karawane unter den wachsamen Augen meines Dieners aufgelöst wurde. Ich ritt mit Erasmus weiter zum Stammsitz der Karindûr in Shâlazar Meine Tante muss damals sicher gefeiert haben, als sie erfuhr dass ich nach Nash´ras reisen würde in der Hoffnung, mich nie wieder sehen zu müssen. Ich musste ihr unbedingt diese Freude verderben, indem ich ihre meine Aufwartung machte. Meine Tante machte sich erwartungsgemäß wenig Mühe, übermäßige Freude zu heucheln. Zum Dank gab ich ihr einen Kuss auf die Wange, ich erinnere mich von früher, dass sie das absolut nicht leiden konnte. Ich erhielt mein Zimmer und Erasmus wurde aufgrund meiner Fürsprache ungnädig ein Zimmer im Dienerquartier zugeteilt. Das war zwar eigentlich ein Affront gegen mich, aber Erasmus war kaum an große Städte oder Luxus gewöhnt. Vermutlich war ein Dienerquartier tatsächlich die bessere Wahl, mit den Konzept eines Himmelbetts oder Teppichen die so dick gewebt waren, dass man darin versinken konnte wäre er vermutlich ein wenig überfordert gewesen. Immerhin war Hedia so gütig, mich ein wenig über die neuesten Ereignisse am Hofe zu informieren. Offenbar hatte Kaiser Caspian XXIV, obwohl er schon ein älterer Mann war, erneut geheiratet. Die neue Kaiserin hieß Apollonia und meine Tante war offenbar bereits gut mit ihr bekannt. Womit ich mir bereits ziemlich sicher war, dass ich sie nicht kennenlernen wollen würde.

Nachdem wir uns ein wenig frisch gemacht hatten und von der Reise erholt, ging ich mit Erasmus los ins „Erwachen“ eine der besten Bars der Stadt, die Lysander eröffnet hatte. Lysander war ein Mitglied des reisenden Volkes der Sirgani, das sich in der Hauptstadt niedergelassen hatte. Er hatte den besten Wein und die besten Rauschmittel der Stadt, ich kannte ihn von früher als ich ihm auf meinen Reisen begegnet war. Bei ihm konnte man sich so richtig zu Hause fühlen. Außerdem bin ich immer noch ein Anhänger des fröhlichen Tanzes Tadai´schin. Ich glaube immer noch an die glorreiche Zukunft des Kaiserreichs, das irgendwann wieder zu seinem vollen Glanz wiederauferstehen wird. Den Ra´woon der sich neuerdings bei den Satrapen verbreitet und der nur ein düsteres, langsames Herum torkeln ist, tanze ich nicht!
Im „Erwachen“ kann man immer noch Spaß haben und ich hatte Erasmus ja versprochen, ihm was von der Stadt zu zeigen. Ich war mit Erasmus noch nicht im Lokal, da kam uns bereits eine sagenhafte Rothaarige entgegen, mit Brüsten für die man sich vergessen könnte mit waldgrünen Augen und einem durchsichtigen grünen Kleid, das wenig der Phantasie überließ. Bestimmt von den Shularin Nosh´cra, wer sonst würde solche Kleidung tragen. Das ist die Hauptstadt! Aber spätestens jetzt hätte ich ahnen müssen, dass ich in Schwierigkeiten gerate. Wenn ich Frauen begegne, die so hübsch sind passiert das immer. Erasmus hatte inzwischen ein Gespräch mit einer nicht ganz so hochklassigen, aber ebenso durchaus hübschen Frau desselben Gewerbes angefangen. Er verschwand mit ihr in einer Seitengasse. Nun, der lernt ja schnell. Manche Lektionen sollte ein Mann allein lernen. Grinsend ging ich nach drinnen um mir etwas zu trinken zu besorgen.

Drinnen begrüßte mich Lysienne und meinte Lysander wäre noch beschäftigt. Ich trank ein wenig und hörte mich über den neuesten Tratsch um. Offenbar war diese neue Kaiserin Apollonia wie aus dem Nichts aufgetaucht, niemand wusste so recht, woher sie eigentlich kam. Nachdem ich mich ein wenig mit trinken und tanzen entspannt hatten, kam auch Lysander und wir gingen wir ins Separee Ich hatte vor, mir ein wenig Rauschmittel geben zu lassen und die Erfahrung lehrt, dass man so etwas nie da nehmen sollte, wo einen Leute dabei beobachten und später berauben können. Außerdem schätze ich, kennt Lysander meist den Tratsch der Hauptstadt und ich hatte gehofft, er könnte mich ein wenig auf den neuesten Stand bringen. Ganz unvorbereitet wollte ich denn doch nicht zu dieser Audienz gehen. Er hatte auch etwas besonderes auf Lager: Blue Crystal, ein neue Droge aus den Dschungeln von Djaschrên. Das war wirklich angenehm, aber offenbar vertrug es Lysander nicht so gut. Ich erzählte ihm gerade von der mysteriösen Audienz beim Kaiser, da lallte er nur noch „Da muss ich mit“ und dann verdrehte er die Augen wie eine Kavernenkuh die die falschen Pilze erwischt hat und fiel in sich zusammen. Seufzend gab ich Lysienne den Wink sich ein wenig um Lysander zu kümmern und sammelte Erasmus wieder ein. Der sah auch so aus, als hätte er mindestens eine Lektion gelernt und außer seiner Kleidung und seinem Stab waren seine Habseligkeiten wohl verschwunden. Er sagte aber nichts dazu und ich habe ihn auch nie gefragt. Wir gingen zurück zum Anwesen der Karindûrs. Auf dem Weg bemerkte ich, dass wir über die Dächer wohl verfolgt wurden. Kurz darauf ließ der Verfolger von uns ab und es gab Kampflärm eine Straße hinter uns. Wir entschlossen uns, dort nachzusehen. Es waren zwei Gardisten der scharlachroten Garde, die die Stadt bewachten, komplett mit Kurzschwertern aber offenbar in Zivil. Noch interessanter war, dass sie einen schriftliche Befehl hatten, einen gewissen Arian Karindûr umzubringen, komplett mit einem furchtbar schlecht gezeichneten Bild von mir. Wenn die Figur auf dem Befehl nicht blaue und gelbe Gewänder gehabt hätte, die die Hausfarben Blau und Gold der Karindûrs zeigen sollten, hätte mich danach bestimmt keiner erkannt. Faszinierend wurde es nun bei der Unterschrift unter dem Befehl: General Stavros tar Karindûr, ein entfernter Verwandter aber immer noch Mitglied meiner Familie. Ich hasse Familienfehden, das sind die Schlimmsten. Man weiß nie, wer gegen wen und welche alte Rache oder Beleidigung eigentlich dahinter stecken mag. Wir gingen zurück zum „Erwachen“ nun wollte ich doch ein wenig mehr wissen, was Lysander davon geredet hatte, bei der Audienz dabei sein zu wollen. Es brauchte einen Kübel kaltes Wasser, damit er wieder ansprechbar war. Was er dann aber zu erzählen hatte, war durchaus interessant. Die schöne rothaarige Frau, die ich vorhin aus dem „Erwachen“ hatte laufen sehen, war in der Tat die berühmte Roxana von den Shularin Nosh`cra, einer seiner Kontakte. Sie hatte offenbar von mir gewusst, ebenso wie von meiner Audienz beim Kaiser und Lysander den Auftrag gegeben, unbedingt bei dieser Audienz dabeizusein. Merkwürdiger und merkwürdiger. Ich vermute auch, sie war vielleicht der Schatten der uns gefolgt ist und dann die beiden Soldaten der Garde getötet hat, aber es könnte auch komplizierter sein. Normalerweise hätte ich keinen Grund gesehen, Lysander zu einer Audienz beim Kaiser mitzunehmen, aber nach dem vereitelten Mord sah ich das doch anders. Ich vereinbarte, die beiden am nächsten Morgen in Dienerkleidung zu stecken und sie als meine Diener mitzunehmen. Sodann ging ich mit Erasmus erneut zurück zum Anwesen Karindûr

Erasmus ging in sein Dienerquartier und ich in mein Zimmer mit dem Himmelbett und dem Betthimmel darüber. Ich überlegt, mich lieber ein Stück auf den Boden zu legen und die Kissen so zu arrangieren, als würde jemand im Bett liegen – für den Fall dass mich jemand im Schlaf abstechen sollte. Dieser geniale Plan kam aber nicht zur Ausführung, denn kaum näherte ich mich dem Bett als mich eine Skorpionschlange mich angriff. Es gelang mir mühsam, sie abzuwehren und die Tür hinter mir zu schließen. Ich alarmierte den Haushalt und bald darauf kam Erasmus und zwei Diener heran. Ich erklärte ihnen das Problem mit der Schlange, als diese auch schon zweidimensional unter der Tür hindurch glitt. Offenbar eine magische Komponente dieser Tierart. Die Diener waren natürlich recht hilflos und auch Erasmus traf das Ding nicht, so dass ich es am Ende doch selbst mit meinem Schwert erledigen musste. Meine Laune war hin. Nicht mal im Hause Karindûr war ich sicher. Ich befahl den Dienern, den Schlangenmatsch zu entfernen und legte mich, ohne dass es jemand im Hause mitbekam, für den Rest der Nacht zu Erasmus. Ich hatte keine Lust auf weitere Überraschungen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese dämliche Schlange eine Aufmerksamkeit von Tante Hedia war. Vielleicht war der Kuss auf die Wange doch keine gute Idee gewesen. Ich spielte mit dem Gedanken, ihr auch eine Schlange ins Schlafgemach legen zu lassen, aber ich hatte im Augenblick nicht die Zeit es zu arrangieren und ich hatte wichtigeres zu tun.

Als ich aufwachte, war Erasmus verschwunden. Beim Frühstück wurde mir dann jedoch Lysander angekündigt. Unter vielem Grinsen geleiteten sie ihn in den blauen Salon. Sie nahmen natürlich an, dass er zu meinem Vergnügen hier wäre, als ob ich im Augenblick Zeit gehabt hätte mich mit jemandem zu vergnügen, egal ob Mann oder Frau. Ich nahm eine Vase, die ich in Nash´ras gefunden hatte und schrieb eine kleine Botschaft mit allem, was mir seit der Einladung merkwürdiges widerfahren war auf, die ich der Vase versteckte. Es gelang mir unbemerkt, Dienerkleidung für die beiden zu organisieren und zusammen mit meinem eigentlichen Diener gingen wir zum Turm von Gendschin, dem kaiserlichen Palast und Wohnturm. Wir wurden hinauf zu den Gemächern der kaiserlichen Familie begleitet, wo uns Morana Sûng empfing. Als Trägerin des Siegels von Nevroon ist sie eine der wenigen Personen bei Hofe, deren Loyalität zum Kaiser Caspian XXIV nicht in Frage steht. Sie winkte mich zu sich und wisperte mir zu „Es ist nicht bekannt, aber der Kaiser ist schwer krank. Ihr werdet wahrscheinlich der letzte sein, den er noch sieht“. Ich schluckte schwer, hatte aber keine Möglichkeit etwas zu erwidern, denn ich wurde hinein gebeten. Meine „Diener“ blieben zurück. Ich hatte ihnen vorher noch eingeschärft, sich ja höflich zu benehmen und am besten gar nichts zu sagen.

Im Schlafgemach des Kaisers war es halbdunkel. Ich übergab meine Vase an Morana. Des Kaisers Atem ging rasselnd und seine Augen waren tief eingesunken, sein Blick aber immer noch klar. Er winkte mich zu sich und flüsterte leise aber verständlich: „Seid ihr der Arian Karindûr der erfolgreich aus Nash´ras zurückgekehrt ist?“ „Ja euer Majestät“. „Dann nehmt dies. Ihr werdet das richtige damit tun“. Damit übergab er mir einen eiförmigen Kristall. Verwundert nahm ich ihn und ließ ihn schnell in meiner Kleidung verschwinden. Einen Moment später kamen sein Thronfolger Prinz Caspian und Falk al’Rajin herein. Der König wurde zusehends schwächer, rief aber uns alle nochmal nahe zu sich „Ihr alle seid meine Zeugen: Mein Sohn Caspian soll mein Nachfolger sein“. Es gelang ihm gerade noch, das deutlich zu sagen, dann verstarb er. Der Kaiser ist tot, lang lebe Kaiser Caspian XXV. Aus einer Wand trat ein Paar sehr männlicher Krieger heraus, die plötzlich die zwei Wachen der scharlachroten Garde vor dem Tor erstachen. Morana meinte nur, ich sollte besser schnell gehen. Das erschien mit ein guter Rat zu sein und ich trat hinaus, um meine „Diener“ wieder einzusammeln. Leider war Lysander nicht mehr da. Mein Diener und Erasmus erzählten mir rasch, dass Lysander während ich beim Kaiser war, von der Kaiserin Apollonia kurz zu sich gerufen worden war. Danach war er mit einem „Ich habe etwas wichtiges zu erledigen“ verschwunden. Kurz darauf öffneten sich die schweren Flügeltüren des Gemachs der Kaiserin, die ja nun die Kaiserin-Witwe war und Apollonia trat hinzu. Auch sie war eine atemberaubend schöne Frau, gekleidet in die schweren Seiden- und Brokatgewänder ihres Standes. Ihr Gesichtsausdruck war jedoch eher verwirrt. Man eröffnete ihr, dass der Kaiser verstorben war und sie nun als Witwe ihren Weg nach Hag Dôsh’ka anzutreten habe. Sie winkte mich zu sich und erzählte flüstern, dass sie eigentlich Lysander sei jetzt im falschen Körper. Er erwähnte einige kurze Details von gestern Abend, die niemand sonst hätte wissen können. Völlig verblüfft trat ich erstmal beiseite, um das zu verdauen. Da kam Morana Sûng und verkündete der Kaiserin-Witwe, dass sie ja nun ihre Reise anzutreten habe und ob sie damit einverstanden wäre, so bald wie möglich zu reisen. Ich wollte Morana in Kenntnis setzen, dass hier etwas völlig falsch lief, aber es gelang mir nicht ihr etwas mitzuteilen ohne dass ich es durch den Raum hätte brüllen müssen, was mir auch keine gute Idee zu sein schien. Schon war sie verschwunden. Die Kaiserin-Witwe gab etwas salopp ihr Einverständnis zur Abreise und lief dann die Stufen hinunter hinter „Lysander“ in der Dienerkleidung hinterher, der ja seinen Körper gestohlen hatte. Ich beschloss ihr zu folgen, holte sie aber auf den Treppen nicht mehr ein. Für eine Frau in schweren Brokatgewändern war sie verdammt schnell, auch wenn sie diese an der Seite schnell mit einem Dolch geschlitzt hatte. Ich holte sie erst unten an der Hafenmauer wieder ein, wo sich die eigentliche Apollonia im Körper des Lysander von der Mauer stürzte und verschwand. Sichtlich irritiert stand die Kaiserin-Witwe an der Mauer und starrte hinterher, bis einige Hofdamen und Wachen sie sanft aber bestimmt von der Mauer weg bugsierten. Sie hatten offenbar Angst, sie wäre hysterisch geworden und könne sich hinterher stürzen. Dem Gesichtsausdruck den „sie“ trug nach zu schließen war das vielleicht nicht mal unrealistisch. Es gelang mir der falschen Apollonia noch zu sagen, dass wir ihr folgen würden, dann wurde die „Kaiserin-Witwe“ in ihre Gemächer geführt und kurz darauf setzte sich der Trauerzug in Bewegung. Ich ging mit Erasmus und meinem Diener zurück zur Karawanserei. Es dauerte eine Weile die Donnervögel wieder zu beladen und aufzubrechen. Ich konnte auf die Schnelle nur 10 Wegrationen mitnehmen, mehr wäre für die Vögel zu schwer geworden. So ritten wir über die alte Handelsstraße nach Norden um den Trauerzug einzuholen, der uns allerdings schon gut einen halben Tag voraus war.
Auf dem Weg wurden wir plötzlich von einigen Räubern beschossen, die einen Hinterhalt auf einem Felsen gelegt hatten. Mein Diener wurde bald getroffen und stürzte tot zu Boden. Es gelang uns weiter zureiten und abgesehen von einem Streifschuss kamen wir beide unverletzt davon, aber für meinen Diener kam jede Hilfe zu spät. So konnten wir nur weiter reiten und schlugen unter den beiden Monden auf – denn natürlich passieren dergleichen schlimme Dinge immer unter beiden Monden. Ich besah mir den eiförmigen Kristall, aber ich konnte so recht nichts daraus deuten. Auch Erasmus fiel dazu nichts ein. Ich erzählte ihm, dass dies des Kaisers letztes Vermächtnis war und ich herausfinden müsste, was es ist und was ich damit tun soll. Der Vorfall mit den Räubern hatte mir klar gemacht, wie gefährlich es war, wäre ich gestorben hätte niemand gewusst, was aus dem Kristall geworden war. Während wir da so saßen, sahen wir plötzlich eine riesige, offenbar geschuppte Gestalt als Schatten über die Monde ziehen. Wenn ich mich nicht täusche, war das ein Drache? Der Kristall war eiförmig und ein wenig warm. Vielleicht etwa ein Drachenei?

Am nächsten Tag erreichten wir endlich den Trauerzug, nun zwei Tagesreisen von Shâlazar entfernt. Als Karindûr wurde ich natürlich mit meinem „Diener“ dort aufgenommen. Der Anführer des Zuges war eben jener General Stavros tar Karindûr, der zumindest laut dem schriftlichen Befehl versucht hatte, mich umbringen zu lassen. Da er ja ein Verwandter war, machte ich ihm natürlich meine Aufwartung, in der Hoffnung dass er sich vielleicht verraten würde oder sonst etwas zu erfahren wäre, ich hatte ihn ja bisher noch nie persönlich getroffen. Die Mühe aus ihm etwas herauszubekommen hätte ich mir sparen können. Er war kalt und ölig wie ein Fisch vom kalten See eingelegt in Sesamöl. Trotzdem war ich mir danach relativ sicher, dass er das wirklich befohlen hatte, er war der Typ Ehrgeizling, der so was ohne Zögern tun würde. Und einfach so ist er sicher nicht zum General geworden. Da ich mir sicher war, dass auch wir beobachtet wurden, beschloss ich mit Erasmus uns erst einmal gründlich um zuhören. Ich hörte mich ein wenig beim Adel der Satrapen um und er bei den Dienern. Nachdem wir unsere Informationen zusammen trugen ergab sich langsame in Bild: Die Kaiserin-Witwe hatte sich, wenig überraschend für uns, offenbar merkwürdig verhalten. Sie hatte versucht ihre Damen aufzuwiegeln, hatte zotige Lieder gesungen anstatt am Trauerband für den Kaiser zu sticken wie es ihre Pflicht gewesen wäre und eine Dienerin hatte erzählt, sie hätte gesehen wie die Kaiserin offenbar vergessen hatte sich beim Wasser lassen hinzusetzen. Die einhellige Meinung war, dass sie vor Trauer offenbar hysterisch geworden war. Wesentlich interessanter für uns war jedoch, dass eine ihrer Hofdamen, die gerne grüne Kleider trug, eine gewisse Dame Nemira. Diese war wohl schon bei Apollonia gewesen, bevor diese den Kaiser geheiratet hatte und nahm sich wohl gewisse Freiheiten gegenüber der Kaiserin-Witwe heraus. Außerdem war die Kaiserin vermutlich eine Hexe der Kaaz’Môdan, was ich bereits vermutet hatte. Die vielen Mosaiksteine ergaben noch kein Bild, aber so einiges ließ sich über diese komplizierte Intrige schon sagen und vermuten:

Es gab eine Partei, die loyal zum verstorbenen Kaiser war, sowie zu dessen Nachfolger Caspian XXV. Dazu gehörte sicherlich Morana Sûng, sowie Falk Al´Rajin und möglicherweise auch Roxana. Dazu gehörten auch diese sehr männlichen Wachen, die offenbar gegen die scharlachrote Garde vorgegangen waren. Die Gegenpartei war schwerer zu bestimmen, aber gruppiert war sie wohl um die Kaiserin-Witwe Apollonia und ich rechnete geistig sowohl Tante Hedia als auch General Stavros tar Karindûr dazu, sowie natürlich die Hofdame Nemira. Ich weiß nicht, was deren Plan war, aber es gehörte sicher nicht zu ihrem Plan, dass die Kaiserin-Witwe ihren Körper mit Lysander tauscht und dann einfach abhaut. Wäre das der Plan gewesen, hätte man jemand arrangieren können, der entsprechend instruiert ist und nicht Lysander, der ja mehr oder weniger zufällig dort war und bei dem Apollonia ja nicht wissen konnte, wie er sich hinterher verhalten würde. Der Verdacht liegt natürlich nahe, dass die Hexen von Kaaz’Môdan dahinter stecken, denn ein Umsturz oder Unruhe im Reich wäre genau das Zeichen von Schwäche, dass sie für einen Aufstand nutzen könnten. Andererseits, es ist zwar mehr so ein Gefühl, aber ich denke es gibt auch eine Verbindung in den tiefen Süden in die Dschungel von Djaschrên. Die dämliche Schlange kommt nämlich nur dort vor und das Tier bis hierher zu importieren war sicherlich teuer und aufwendig, das kann nur jemand getan haben, der gute Verbindungen dorthin hat und mir feindlich genug gesinnt war, die Schlange über Tante Hedia auf mich anzusetzen. Die Droge Blue Crystal, die ich ja erst kürzlich versucht hatte, kam übrigens auch aus dem Süden. Sie war sehr angenehm, hatte den Reiz des Neuen und war entsprechend sicherlich teuer und kursiert seit einiger Zeit in der Hauptstadt. Wer hinter ihrem Import steckte, hätte damit sicher eine Menge Geld verdienen können und wer viel Geld hat, kann in der Hauptstadt schnell viele Freunde finden. Mit diesen Überlegungen legte ich mich denn schlafen.

Am nächsten Morgen erscholl beim Frühstück dann die Nachricht: „Die Kaiserin-Witwe ist geflohen!“ Oje. Das war zwar tapfer von Lysander, aber vielleicht nicht sehr klug. Einer Frau alleine in der Wildnis konnte viel zustoßen. Ich hoffte inständig, dass ihm alleine nichts zugestoßen war und er nicht von einem Monster gefressen oder von Barbaren oder tanzenden Teufeln entführt worden war.

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Blacky

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